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KI sucks.

vor 38 Minuten
5 Min. Lesezeit

Früher kritzelte der Quotenausländer bei Starbucks "Iris, Ina oder Michael" handschriftlich auf meinen Becher, damit die Kaffeeproduzierkette wusste, wer am Ende was bekommt. Den Sinn habe ich bis heute nicht verstanden. Immer unangenehm, wenn jemand durch den ganzen Laden brüllt: Ein Latte, one Shot, low Fat, Hafermilch und Karamellsirup für "Iris, Ina oder Michael". Wen geht es an, was ich in mich schütte? Und noch viel wichtiger: Wen geht es etwas an, wie ich heiße?

Heute tippt der Quotendeutsche meinen Namen in die Tastatur – ohne Fehler. Weiß die KI schon vor mir, dass ich komme?

Quotenausländer, Quotendeutsche? Sagt das etwas über meine politische Gesinnung? Ich glaube, mittlerweile sagt alles etwas über politische Gesinnungen. Und genau das bringt immer mehr Menschen zum Schweigen, weil Sprechen immer gefährlicher wird. Hat die gerade etwa nicht gegendert? "Schmeißt sie runter von der Erde – es hackt wohl."


Vielleicht reden wir irgendwann nur noch mit der KI. Dann gibt es weniger Ärger. Und genau das dürfen wir nicht zulassen. KI kann ein Werkzeug sein, aber nicht den Menschen ersetzen. Wird sie aber. Machste nix. Wenn du dem entgehen möchtest, kannste dich höchstens noch irgendwo mit einem Fallschirm über der Arktis abwerfen lassen.


KI sucks. KI ist scheiße. Zumindest ist das die Haltung vieler Menschen, wenn man sich anschaut, was über KI geschrieben und gesagt wird. Sie klaut unsere Jobs, zerstört unsere Kreativität, manipuliert unsere Gedanken und wird uns irgendwann vermutlich alle aufessen.

Ich verstehe, dass Menschen Angst vor KI haben. Eine Technologie, die sich in einem Tempo entwickelt, bei dem wir nicht mehr mitkommen. Nicht gerade beruhigend.


Und jetzt?


Sollen wir uns im Keller einschließen, den Stecker ziehen und warten, bis die Maschinen uns finden? Wenn wir Pech haben, hat die KI bis dahin längst unsere Kellertür optimiert.

Ich habe keinen Bock mehr auf noch mehr Negativität. Nicht, weil ich glaube, dass mit KI alles wunderbar wird. Sondern weil Angst einer der schlechtesten Wegbegleiter überhaupt ist. Sie macht uns eng, hält uns fest und sorgt dafür, dass wir Veränderungen vor allem als Bedrohung betrachten. Dabei ist die Veränderung durch KI längst da. Wir können uns ihr entgegenstellen, bis uns die Puste ausgeht. Oder aber wir versuchen, so gut es geht mit ihr zu leben.


KI ist genial. KI ist bähm. Nix sucks. Sie gibt uns Zeit zurück, sie hilft uns, Ideen umzusetzen und Aufgaben zu erledigen, für die uns bisher die Kraft oder das Wissen fehlte. Sie kann ein Werkzeug sein, das uns unabhängiger macht. Vorausgesetzt, wir benutzen sie, statt uns von ihr benutzen zu lassen.


Denn genau da liegt der Haken.


KI ist kein Gott. Sie irrt sich, labert Unsinn und klingt dabei ziemlich überzeugend. Nur weil etwas gut formuliert ist, muss es noch lange nicht stimmen.


Hinterfrage, was dir die KI erzählt. Prüfe Informationen. Denk selbst nach. Und lass dir von einer Maschine nicht erklären, was du zu denken hast. Das gilt übrigens auch für Menschen, die sehr überzeugend reden, schicke Krawatten tragen und Manschettenknöpfe zumachen können.


Ich sehe die Gefahr nicht nur darin, was KI irgendwann können könnte. Ich sehe sie vor allen Dingen darin, wie wir Menschen mit ihr umgehen. Wenn wir unser Denken komplett auslagern, unsere Entscheidungen abgeben und jede Antwort für bare Münze nehmen, dann brauchen wir uns über geistigen Stillstand nicht zu wundern.


Die Zukunft ist keine Rechnung, deren Ergebnis bereits feststeht – hoffe ich zumindest. Und ist auch egal – denn wir leben jetzt. Viel spannender finde ich eine andere Frage: Was passiert mit all den Menschen, wenn KI den größten Teil unserer Arbeit übernimmt? Und wovon leben wir, wenn wir nicht mehr arbeiten müssen?


Ich persönlich glaube, dass ein Mensch drei bis fünf Stunden am Tag konzentriert und sinnvoll arbeiten kann. Nicht acht Stunden Anwesenheit simulieren, sondern wirklich etwas tun, das gesellschaftlich gebraucht wird.


Den Rest übernimmt die KI. Verwaltung, Buchhaltung, Übersetzungen, Kundenservice, Recherche, Design, Programmierung, Terminplanung und vieles mehr. Auch Berufe, bei denen wir heute noch glauben, dass sie unbedingt Menschen brauchen, werden sich verändern. Manche Tätigkeiten verschwinden, andere entstehen. Und viele Menschen werden sich fragen müssen, wofür sie eigentlich noch gebraucht werden.

Und das ist keine Kleinigkeit. Wer jahrzehntelang gearbeitet hat, um seine Rechnungen zu bezahlen, seine Familie zu ernähren und sich einen Platz in der Gesellschaft zu sichern, verliert womöglich nicht nur seinen Job. Sondern auch seine Aufgabe, seine Struktur und das Gefühl, gebraucht zu werden.


Was passiert dann mit all diesen Menschen? Schickt man sie nach Hause und zahlt ihnen ein bisschen Geld, damit sie keinem auf den Sack gehen? Setzt man sie vor Bildschirme, damit sie sich von einer KI erklären lassen, wie sie ihre freie Zeit sinnvoll verbringen? Oder fangen wir vielleicht endlich an, grundsätzlich darüber nachzudenken, wie wir unser Leben organisieren wollen?


Ich denke, hier liegt eine riesige Chance. Zum ersten Mal könnte es technisch möglich werden, unseren Wohlstand mit deutlich weniger menschlicher Arbeitszeit zu sichern. Aber nur, wenn wir es gesellschaftlich auch so gestalten. Wenn die Produktivitätsgewinne allein bei den Unternehmen und Eigentümern landen, während die Menschen ihre Jobs verlieren, hat man nichts gewonnen. Dann hätten wir eine hochmoderne Technik und ein ziemlich beschissenes Gesellschaftsmodell.


Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur, welche Arbeit KI uns abnimmt. Sondern wem die dadurch gewonnene Zeit gehört.


Vielleicht müssen wir wieder lernen, unser Leben anders zu organisieren. Kleinere Gemeinschaften bilden. Wissen teilen. Gemüse anbauen, Dinge reparieren, gemeinsam kochen, Kinder betreuen und ältere Menschen unterstützen. Nicht, weil wir zurück ins Mittelalter wollen, sondern weil wir plötzlich wieder Zeit dafür haben.


Vielleicht müssen wir auch erst wieder lernen, mit uns selbst etwas anzufangen, wenn uns niemand mehr sagt, wann wir wo zu erscheinen haben. Das könnte anfangs ziemlich komisch werden. Wir haben uns so daran gewöhnt, unseren Wert über Leistung, Beruf und Kontostand zu definieren, dass manche von uns vermutlich erst einmal in ein tiefes Loch fallen, wenn dieser Maßstab wegbricht.

Wer bin ich, wenn ich nicht mehr gebraucht werde? Was erzähle ich beim Abendessen, wenn ich keinen stressigen Arbeitstag hatte?


Vielleicht ist das die eigentliche Aufgabe, die uns bevorsteht.


Ich weiß, das klingt alles ziemlich idealistisch. Und natürlich verschwinden dadurch weder Armut noch Konflikte oder die Menschen, die aus jeder guten Idee ein Geschäftsmodell machen wollen.

Aber wir müssen nicht so tun, als wäre die einzige Alternative zur heutigen Arbeitswelt der komplette Zusammenbruch. Vielleicht dürfen wir uns auch einfach mal vorstellen, dass etwas besser werden könnte.


Die jüngeren Generationen haben das teilweise längst verstanden. Sie wollen nicht mehr ihr gesamtes Leben einem Arbeitgeber opfern. Sie wollen Freizeit, Gesundheit, Flexibilität und eine Arbeit, die für sie einen Sinn ergibt. Dafür werden sie gern als faul bezeichnet. Ich finde, wir sollten uns eher fragen, warum wir jahrzehntelang ein Lebensmodell verteidigt haben, in dem Menschen einen Großteil ihrer wachen und schönsten Zeit verkaufen müssen, um sich den Rest ihres Lebens leisten zu können.


Zeit ist wertvoller als Geld. Du verkaufst nicht einfach deine Arbeitszeit. Du verkaufst dein Leben.


Vielleicht kann KI uns helfen, diesen Handel neu zu verhandeln. Nicht, indem sie uns das Leben abnimmt, sondern indem sie uns mehr davon zurückgibt.


Vielleicht werden wir wie gesagt irgendwann von der KI aufgegessen. Vielleicht landen wir in einer Welt, die aussieht wie Matrix. Vielleicht passiert auch etwas, das sich heute noch niemand vorstellen kann.


Aber bis dahin haben wir einiges zu tun.


Wir können mitgestalten, hinterfragen, ausprobieren und uns überlegen, wie wir leben wollen. Wir können auf die Straße gehen, wenn andere über unsere Zukunft entscheiden, ohne uns einzubeziehen. Wir können uns gegen die Vorstellung wehren, dass technischer Fortschritt automatisch bedeutet, dass wir uns noch mehr anstrengen müssen.

Und wir können aufhören, die KI entweder als Teufel oder als Wundermittel zu betrachten. Sie ist ein Werkzeug. Ein mächtiges, das unsere Welt verändern wird.


KI sucks.


Vielleicht. Wenn wir sie dazu benutzen, uns selbst überflüssig zu machen. Wenn wir unser Denken abgeben, unsere Zeit weiter verkaufen und aus Angst vor der Zukunft vergessen, dass wir sie mitgestalten können.


Aber vielleicht bedeutet KI auch etwas ganz anderes. Weniger müssen. Mehr leben. Mehr Zeit füreinander. Mehr Raum für Dinge, die keinen wirtschaftlichen Nutzen haben und trotzdem unser Leben wunderschön machen.


Ich finde, das ist zumindest eine Zukunft, für die es sich lohnt, den Kopf einzuschalten.


Den eigenen.





 
 
 

1 Kommentar


Ella Pointe
vor 28 Minuten

🩷🙏

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